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Wider die große Koalition der Wachstumsbeschwörer

Aktuelle Beispiele für eine alte Debatte von Angang der 80er Jahre, die nach wie vor im parteipolitschen Raum - ausgeblendet vom Kartell der Wachstumsanbeter - so gut wie nicht stattfindet:

Genug ist genug
Das Wirtschaftswachstum kann nicht mehr weiter gesteigert werden, weil ein hoher Standard erreicht ist. Nun sind neue Orientierungen nötig
VON HANS DIEFENBACHER UND VOLKER TEICHERT
Quelle Frankfurter Rundschau, 22.06.2005
Den Standpunkt der Autoren beschreibt die Redaktion so:

Wirtschaftswachstum kann die Probleme der Massenarbeitslosigkeit nicht mehr lösen. Daher muss ein Umdenken hin zu einer Wirtschaft und Gesellschaft des "Genug" stattfinden: Zu weniger Wirtschaftswachstum, weniger Erwerbsarbeitszeit, weniger (Erwerbs-) Einkommen, weniger materiellem Konsum und vermutlich auch weniger staatlich alimentierter Sicherung.
Dem steht aber auch ein Mehr gegenüber: an informeller Arbeit, an Zeit für Kinder, Freunde und Freizeitaktivitäten, vielleicht auch ein Mehr an solidarischer Unterstützung von Alten und Pflegebedürftigen.
Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland war noch nie so hoch wie heute. Es sollte ausreichen, um allen eine gute Lebensqualität zu gewährleisten, argumentieren Dr. Hans Diefenbacher (oben) und Dr. Volker Teichert.
Diefenbacher ist Privatdozent für Volkswirtschaftslehre an der Universität Kassel und wissenschaftlicher Referent für Ökonomie an der Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft. Teichert ist ebenfalls Referent an derselben Forschungsstätte; außerdem ist er Mitglied der Jury Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums. (Kontakt: volker.teichertfest-heidelberg.de) aud

Eine Gefahr für die Demokratie
Keine Reform geht tief genug - notwendig wäre die Umgestaltung des Sozialstaats jenseits der Erwerbsarbeit
VON VOLKER KOEHNEN
Quelle Frankfurter Rundschau, 21.06.2005
Den Standpunkt des Autors beschreibt die Redaktion so:

Sozialleistungen abbauen, Steuern für Unternehmen und Besserverdienende runter, Lohnzurückhaltung, Privatisieren und Deregulieren, das sind die Rezepte, mit denen alle Bundestagsparteien vergeblich herumdoktern.
Wenn auch die nächste Regierung damit gescheitert sein wird, droht eine Krise der Demokratie, warnt Volker Koehnen.
Er ist Bereichsleiter Jugend und Jugendbildung beim Landesbezirk Hessen der Gewerkschaft Verdi. Koehnen ist Politikwissenschaftler, Erwachsenenbildner sowie systemischer Coach und Organisationsberater. Er veröffentlicht Texte zur Wirtschafts- Sozial- und Bildungspolitik sowie zur Philosophie. aud

Ende des Arbeitszwanges
Gefahr für die Demokratie - ein neues gesellschaftliches Leitbild jenseits der Erwerbstätigkeit schafft Abhilfe
Wenn die Berliner Parteien nicht grundsätzlich umsteuern, entstehe eine "Gefahr für die Demokratie" warnte Volker Koehnen vorige Woche auf dieser Seite. Viele FR-Leser stimmten ihm zu. Einige vermissten jedoch seine Alternative. Heute stellt Koehnen sie vor.
VON VOLKER KOEHNEN
Quelle Frankfurter Rundschau, 01.07.2005 Den Standpunkt des Autors beschreibt die Redaktion so:

Das Ende der Vollbeschäftigung und der darauf gestützten Sozialsysteme ist erreicht, konstatiert der Politikwissenschaftler Volker Koehnen. Doch statt eines Neuanfangs kurierten alle Parteien an Symptomen.Wenn auch die nächste Regierung damit gescheitert sein werde, drohe die Abwendung eines Großteils der Bürger von der Demokratie. Koehnen plädiert nun dafür, den bereits in der Debatte befindlichen Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens voranzutreiben und dafür einen Zukunftskongress einzuberufen. Koehnen ist hessischer Verdi-Bereichsleiter Jugend und Jugendbildung. Er äußert in diesem Beitrag seine persönliche Position. Der Autor arbeitet auch als Erwachsenenbildner, systemischer Coach und Organisationsberater. aud

Langsamer machen
Mit einer Prämie für Faulheit wider die ständige Beschleunigung von Arbeit und Konsum / Mehr Menschen hätten ein Auskommen
VON FRITZ REHEIS
Quelle Frankfurter Rundschau, 18.06.2005
Den Standpunkt des Autors beschreibt die Redaktion so:

In Deutschland hat sich in den letzten 100 Jahren die Produktivität etwa verzwanzigfacht. Doch das hat uns nicht befreit, sondern in eine Falle geführt. Wir arbeiten immer schneller und bekommen gleichzeitig immer mehr Angst, dass uns die Arbeit ausgeht. Sinnloser und naturzerstörerischer Konsum gehört zu diesem Teufelskreis. Zugleich darf ein Teil der Gesellschaft überhaupt nicht arbeiten und leidet unter dem Ausgeschlossen-Sein. Das ist widersinnig. Denn als Sinn des Fortschritts galt es einmal, allen ein müheloseres Leben zu ermöglichen. Um diesem Ziel näher zu kommen, könnte eine "Stilllegungsprämie für Arbeit" helfen, schlägt Dr. phil. habil. Fritz Reheis vor. Er ist Philosoph, Lehrer und Autor. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen "Nachhaltigkeit, Bildung und Zeit" ( Baltmannsweiler 2005), "Entschleunigung" (München 2003) und "Die Kreativität der Langsamkeit" ( Darmstadt, 2. erweiterte Auflage, 1998). Er ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik. (www.fritz-reheis.de) aud

Würde ohne Arbeit
Statt der gewohnten Scheinlösungen: Ein garantiertes Grundeinkommen wäre ein erster Schritt aus der Erwerbskrise
VON HANS-JÜRGEN ARLT
Quelle Frankfurter Rundschau, 23.06.2005

Zum Stand der Diskussion:

Harald Rein Auf der Suche nach Alternativen: Das bedingungslose Grundeinkommen Quelle

Michael Opielka
Vision Grundeinkommen
Quelle Forum SOZIAL 2/2005

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