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Nachrichten aus der Provinz:
SÜDKURIER verunsichert brave Bürger
Ein Gespenst streift selbst Deutschlands letztes Zipfele, wo die Welt noch in Ordnung war. Jetzt steht es selbst im SÜDKURIER:
"Der Kapitalismus hat nicht gesiegt" - Interview mit Peter Ulrich
Für den Wirtschaftsethiker von der Universität St. Gallen ist das marktliberale Wirtschaftsmodell gescheitert: "Der Kapitalismus hat nicht gesiegt", droht er.
Furchtlose können das Interview, das am Samstag, 21. Mai im SÜDKURIER (Nr. 115, Seite G-5) erschienen ist, hier nachlesen. Aber Vorsicht, da werden - der Leser sei gewarnt - unverantwortlicherweise liebgewonnene Denkgewohnheiten erschüttert.

Ein paar Tage später verunsicherte dann sogar ein leibhaftiger Jesuit (Friedhelm Hengsbach, SJ) die braven Bürger im Kulturzentrum am Münster mit einer Warnung: "Wir sind auf dem Weg in die Wolfsgesellschaft." Er verlangt doch tatsächlich mehr Respekt vor dem menschlichen Faktor. Als wenn Heiner Geissler ("Wo bleibt euer Aufschrei") nicht schon ein Ketzer zuviel wäre.

Und jetzt sollen wir auch noch von Albert Einstein lernen: Warum Sozialismus? Igitt. (Original im Nachdruck)

Nun gut, den versteht sowieso kein Normalsterblicher und ist schon lange tot. Aber auch ein lebender Nobelpreisträger deutscher Zunge redet der Nation ins Gewissen und beklagt die "Freiheit nach Börsenmaß".

Diese konzertierte Aktion der Kapitalismus-Kritiker muss eine Verschwörung finsterer Mächte sein. Der wackere Staatsbürger, aufgeklärt von Sabine Christiansens "WamS" (Wort am Sonntag), weiß doch, dass die Mahnung, den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, "ökonomischer Analphabetismus" ist. Hat er doch zum Beispiel von dem "klügsten Professor Deutschlands" (Bild), Hans-Werner Sinn, gelernt, dass "man das internationale mobile Kapital hätscheln muss", so dass es nicht damit rechnen muss, "eines Tages in Deutschland in Geiselhaft genommen zu werden für die Finanzierung eines überbordenden Sozialstaats". Das ist schließlich auch, so Gesamtmetall-Chef Kannengiesser, im wohlverstandenen Interesse der Menschen, weil es "unfrei und unselbständig" macht, von Sozialtransffers abhängig zu sein.

Das perfide sozialethische Ansinnen, die Wirtschaft sei für den Menschen da und nicht umgekehrt, hat mittlerweile selbst das Unternehmerlager demoralisiert. Mit dem proklamierten "Kreuzzug für den Kaptialismus - FTD: "Schlagt zurück, Unternehmer!" - wird es leider nichts, hat Michael Rogowski, BDi-Vizepräsident, bedauernd festgestellt: "Es gibt zu viele müde Krieger in unseren eigenen Reihen."

Glücklicherweise ist das Ende der Irritation in Sicht. Schröder sei Dank. Wir müssen nicht mehr befürchten, dass Rot-Grün vom Pfad der neoliberalen Tugend abweicht - und können beruhigt weiterschlafen, wenn wir die "Chance der demokratischen Selbstbefreiung" (Stern) wahrnehmen. Die Unionsparteien werden uns dann ab Herbst vor dem Übel der ideologischen Verblendung bewahren. Sie werden den Menschen wieder Mut machen, ihr Leben selbst zu gestalten. Hartz IV war da nur ein unzureichender Anfang.

Während der Rüttgers-Club die soziale Marktwirtschaft noch neu buchstabiert ("Sozial ist was Arbeit schafft"), marschiert der schneidige Ex-General Jörg Schönbohm schon wegweisend voraus. Die Union befreit den Menschen vollends aus der - schon zugigen - "sozialistischen Wärmestube" und gibt im seine "einzigartige, von Gott herrührende Individualität" zurück, die er dann in luftiger Freiheit in einer Ich-AG ausleben kann - frisch, fromm, fröhlich, frei. Wir wissen ja alle: Wer Arbeit sucht, findet auch welche!

"Am Ende eines Irrtums" sieht man schon - der Weg führt steil bergab ins Tal der Tränen - die neue Schönbohm-Welt: Nach der indizierten, unvermeidlich schmerzhaften "Entziehungskur" schützt die unsichtbare Hand des entfesselten Marktes das göttliche Individuum wie der Wolf das Lamm und die grenzenlose (Markt-)Freiheit dreht sich um sein Bestes wie die Sonne um die Erde. Quelle

Pythius vom Gnadensee
Institut für DemAskopie Allensbach


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