wahl-stimmen

Wolfgang Lieb
Zur Besinnung kommen
PLäDOYER EINES SOZIALDEMOKRATEN
Statt von Schröder ihrer Identität beraubt und im neoliberalen Strudel versenkt zu werden, sollte die SPD dem Hasardspiel des Kanzlers ein Ende setzen
Quelle Freitag 24/2005 17.06.2005
"Kurs halten", "besser vermitteln", "vor einer schwarzen Republik warnen" - obwohl die SPD-Führung mit dieser Strategie nach neun Niederlagen bei Landtagswahlen und nach dem Ende einer 39-jährigen sozialdemokratischen Epoche in Nordrhein-Westfalen gescheitert ist, soll der politische Amoklauf noch bis zu den Neuwahlen im Herbst durchgehalten werden. Die Pawlowschen Reflexe der Geschlossenheit, auf die Schröder mit seinem Überraschungs-Coup wohl spekuliert hat, funktionieren in der SPD aber offenbar nicht mehr so unwillkürlich wie früher. Der letzte Strohhalm für viele Sozialdemokraten, keineswegs nur der Linken in der SPD, ist jetzt noch das "Wahlmanifest". Was soll aber die darin versprochene Abgrenzung zwischen "Kapitalismus pur" und "sozialer Marktwirtschaft" an neuem Aufbruch bringen, wenn der Kanzler schon vorab trotzig ankündigt: "Ich werde mit ganzer Kraft dafür kämpfen, diesen (meinen) Weg zum Wohle der Menschen in unserem Land fortzusetzen."

© Copyright 2005 - 2006, Inhalt: Gerd Gierszewski, Technik: Bernd Klein