Getarnte Lobby

Maskenball im Fichtenwald

Markt der Ideologien
DAS SCHLAGLOCH von Klaus Kreimeier
Quelle taz 13.07.2005
"Flexibilität" heißt das Zauberwort der Globalisierung, und wer sich daran nicht hält, ist hoffnungslos altmodisch. Dumm nur, dass die Ökonomie ein Fach mit einer gewissen Logik ist: Wer die Tarife flexibel macht, macht die Gewinne starr und umgekehrt. Wenn der schwache Betrieb nur noch zahlen muss, was er sich wirtschaftlich leisten kann, ist die Marktwirtschaft am Ende.
Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UNO (Unctad)
Was ist Ideologie? Dass Ideologie das "falsche Bewusstsein" der Beherrschten und dringend korrekturbedürftig sei, wie einst Marx und Engels in der "Deutschen Ideologie" erkannt haben, gelte bis heute, meint der Autor. Ergo:
Was vom Orkan der freien Marktkräfte in der Welt der Tatsachen schon weggefegt oder dezimiert wurde, muss noch als falsches Bewusstsein in den Köpfen der Beherrschten abgeräumt werden: der Kündigungsschutz und der Flächentarifvertrag, die klassenlose Gesundheitsversorgung und der Anspruch auf eine gesicherte Rente, der Schutz der Kinder vor Armut und ihr Recht auf einen Ausbildungs- oder gebührenfreien Studienplatz. All dies, so erfahren wir von den neuen Himmelsstürmern, sei pure Ideologie. Nur hat sich seit Marx und Engels eine Kleinigkeit verändert: Heute treiben nicht irgendwelche revolutionären Zuchtmeister, sondern die Herrschenden selbst den Beherrschten ihre Flausen aus dem Kopf.
Dumm nur, dass die Ökonomie ein Fach mit einer gewissen Logik ist, sagt der oben zitierte Heiner Flassbeck, der hinterfragt, ob die gegenwärtige Marktwirtschaft überhaupt ihren eigenen Gesetzen folgt. In einem kleinen Artikel in der Frankfurter Rundschau ist er jetzt, bemerkt der taz-Autor, zu dem Ergebnis gekommen, dass es zur Zeit zu viele Ökonomen gibt, die als Ideologen des Marktes gegen seine Logik verstoßen. So gebiert die Lehre vom freien Markt, übersetzt Kreimeier, "Marktradikale, die gegebenenfalls ihre eigenen Grundlagen zerstören. Und zwar, weil sie zu rasenden Ideologen geworden sind."

Wie das? Die Begründung können Sie hier lesen.


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