Getarnte Lobby

Maskenball im Fichtenwald

Frankfurter Rundschau, 18.07.2005
KOMMENTAR: PDS UND LINKSPARTEI
Ins Paradies, versprochen
VON PITT VON BEBENBURG

Toll, das "Miniwahr" der INSM hat jetzt auch die FR hypnotisiert. Wir haben keine Wahl: "Den Glauben daran, dass Politik die Welt besser machen kann, bedienen nur (noch) die kleinen Parteien ... Doch die Prosa des Wahlprogramms erweist sich letztlich als Märchenbuch." Wir lernen: Die Linkspartei "pflegt die Utopie auf eine bestürzend simple Weise". Einfach utopisch, den Sozialstaat verteidigen zu wollen.

Etwa, wenn sie die Verteilung und Besteuerung wieder so organisieren will, wie vor Rot-Grün oder wie in anderen Ländern durchaus üblich. Dann liegt das "Schlaraffenland" sozialer Versprechen "drei Meilen hinter Weihnachten". Und dahin führt halt kein Weg (zurück).

Das "Miniwahr" kann Stolz auf sich sein. Es hat ganze Arbeit geleistet, wenn die Hypnotisierten sich ihrer Hypnose nicht bewusst sind und den Hypnoseakt bei anderen vollziehen wollen - bis dass der Mensch der Wahl erliegt, dass er nur noch das will, was er kriegt.

Also lautet der in die Neusprache übersetzte Auftrag von Berthold Brecht aus den Geschichten von Herrn Keiner: "Aber darum muss man die utopielose Vernunft ja verbreiten, weil sie die einsichtig macht, die ihr begegnen."

Von ARD bis ZDF, vom Abendblatt bis zur ZEIT machen alle mit, bewusst unbewusst Alternativen nicht zu denken. Auf eine bestürzend simple Weise: Wir haben keine Wahl.

Das funktioniert lemminghaft. Weil der bewegende Gedanke: seien wir realistisch und versuchen das Unmögliche, schon längst in den Köpfen getilgt wurde.

Das Ergebnis - in den ungeschminkten Wortern Wilhelm Hennis': Das Kapital holt sicht (widerstandslos) zurück, was ihm 50 Jahre abgerungen wurde. Und die FR sekundiert mir ihrem (Hans-Werner) Sinn für Realitäten. Sozial ist, was Kosten senkt.


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