Die Qual nach der Wahl

Zwischen Wahl und Sinn

Zwischenrufe des Weltgeistes. Ist Jörges etwa Hegelianer?
epd-medien Tagebuch
Klaus Kocks, der immer für ein knackiges Statement zu habende Meinungsforscher, hat dieser Tage eine hübsche Sottise über Hans-Ulrich Jörges, den Berliner Büroleiter des "Stern", losgelassen. "Es ist ein Elend, dass der Hegel'sche Weltgeist nicht Jörges liest", lästerte Kocks bei den evangelischen "Berliner Mediengesprächen". Und setzte noch hinzu: "Was ist der Unterschied von Hegel und Jörges? Hegel wusste, dass er nicht der Weltgeist ist." Jörges und Hegel?
Quelle: epd-medien 78/79/05 vom 08.10.2005
Man mag den Kopf schütteln, wenn die beiden in einem Satz genannt werden. Doch bei näherer Betrachtung scheint die Verbindung gar nicht so absurd. Nach Hegel ist die gesamte Geschichte, auch die der einzelnen Völker und Staaten, eine einzige Manifestation des geistigen Prinzips, auch Weltgeist genannt. Und dieser Weltgeist bedient sich der Individuen, um historische Notwendigkeiten zu erzwingen. Was diese jedoch, das ist der Trick, nicht zwangsläufig merken.

Jörges nun, der omnipräsente "Talkshow-Hopper" ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"), schwang sich plötzlich zum Weltgeist auf. Seine Fernsehauftritte und Kolumnen während des Wahlkampfes ließen keinen anderen Schluss zu, als dass er die Ablösung der Regierung Schröder durch Angela Merkel und Guido Westerwelle als geschichtliche Notwendigkeit sah. Jörges, ganz von sich selbst (also vom Weltgeist) durchwirkt, verkündete im pathetischen Ton eines Sehers den heraufziehenden historischen Fortschritt. mehr


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