Die Qual nach der Wahl

Zwischen Wahl und Sinn

Der Schein trügt
Seit der Bundestagswahl geht es also (auch) um die Frage, was für eine Welt die Journalisten eigentlich jeden Tag kreieren - nachdem ihre Beschreibungen der Verhältnisse offenbar den Realitätstest der Abstimmung am 18. September nicht bestanden haben.
Quelle: ZEIT 06.10.2005 Nr. 41
Sie retuschieren den Bayreuther Schweißfleck der Angela M., machen einen Bückling vor der Kandidatin (Frau Bundeskanzlerin), jubeln sie zur Siegerin im TV-Duell hoch, formieren sich zur flat tax generation und folgen blind der Demoskopie: Wenn des Philosophen Karl Jaspers' gewichtiger Satz, es sei schicksalhaft für ein Volk, welche Journalisten es habe, stimmt, dann wäre nach der Bundestagswahl 2005 die komplizierte Regierungsbildung noch das kleinere Problem. Vorgeführt wurde die journalistische Welt als Wille und Vorstellung. So sieht das jedenfalls ein Teil der Politiker und jene Gruppe der Selbstkritiker, denen die Journalisten-Darstellung in der Berliner Republik zunehmend auf die Nerven geht. Nach dem Kampf um die Köpfe (und die Wählerstimmen) wird nun um die Deutungsmacht über die Wirklichkeit gerungen. Müssen wir damit leben, dass die Realität notfalls der medialen Dauerbeobachtung und ihren Idiosynkrasien angepasst wird? mehr

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