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Absurdes Tagebuch

Mein Gott, Walter

Norbert Walter hat wieder zugeschlagen. Nachdem er uns schon belehrt hat, dass es nicht Pflicht eines Unternehmers ist, einen Lohn zu zahlen, von dem man leben kann (Magdeburger Volksstimme vom 17.02.2005 [1]), schreitet die "Aufklärung" fort:

SWR2 Forum, 02.03.2005, 17:05 Wer hat, dem wird gegeben Diskussion über den 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung mit Prof. Ernst Ulrich Huster (einer der Gutachter), Andrea Nahles (SPD), Norbert Walter (Chef-Volkswirt der Deutschen Bank)

Moderator: "938 Euro ... ist das aus der Sicht der Wirtschaft ein unzulässig niedrig angesetzter Wert, um von Armut zu sprechen?

Norbert Walter: "Wir haben in Deutschland so eine Debatte, die Durchschnittsaussagen macht. Wenn jemand in München Polizist ist und dieses Einkommen hat, dann ist das ... ein armes Schwein, wenn jemand 30 Kilometer östlich von Celle in einem Bauerndorf mit diesem Betrag lebt, kann es ihm richtig gut gehen ... damit kann man nicht nur leben, damit kann man freudig leben. Vieles von dem wird in unserer Debatte nach meiner Einschätzung nicht mehr genügend diferenziet. Manches an Anpassung, was dann, wenn es einem wirtschaftlich schlechter geht, dass man sich eben auch dorthin bewegt, wo man für sich selbst auch etwas leichter sorgen kann, wo die wichtigen Kosten, zum Beispiel Mieten sehr viel niedriger sind ... dort kann viel größerer Wohlbefinden auch bei solcher Einkommenshöhe entstehen."

Zur Verteilungsgerechtigkeit und zur Besteuerung der Kapitaleinkünfte:

Walter rät zu schauen, "durch welche Steuerpolitik man ohne Erfolg bleibt, dann hätten die ... Finanzminister solche Versuche unterlassen. Ich habe ... viel geredet, völlig für die Katz ... er war genauso klug wie Sie, er meinte, Kapitalertrag könne man kräftig besteuern. Das Ergebnis ... ist, dass es ein großes Verschwinden solcher Kapitaleinkünfte gibt ... Ich versteh Ihre Gerechtigkeitsempfinden. Ich finde es absolut fair ... darüber zu reden, warum können unterschiedliche Einkommen nicht gleich behandelt werden, warum muss bitte das Lohneinkommen ... der vollen Einkommenssteuer unterliegen und ein Kapitaleinkommen nicht. Frau Nahel, ganz einfach deshalb, weil die Menschen nicht gut sind. ... Ich muss Ihnen dann sagen, wenn Sie höhere Erträge erzielen wollen, dann werden Sie mit einer höheren Kapitalertragsbesteuerung in einer Welt, in der wir leben natürlich Ihr Gerechtigkeitsempfinden bei Ihren Wählern richtig einschätzen und wahrscheinlich dafür gelobt werden, ihr Finanzminister in Ihrer Regierung wird aber ganz beschissen - um es einfach zu sagen - dastehen. Er wird nämlich noch weniger haben und damit ist niemandem gedient."

Also: Schicken wir 10 Millionen Arme in den Osten und nötigen die Reichen nicht zur Kapitalflucht. Bei so viel ungeschminktem Zynismus kann man nur vermuten, dass Norbert Walter sich die Aufforderung von Ernesto Che Guevara zu eigen gemacht hat: "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!" Ob Guevara das so gemeint hat?

[1] http://www.nachdenkseiten.de/?p=471


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