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Absurdes Tagebuch

Konsolidierung schafft Wachstum

Ein Hohepriester der autistischen Lehre durfte mal wieder in den Medien seine neoliberalen "Weisheiten" zum Besten geben. Wolfgang Franz verkündete heute morgen (08.03.05, 8:11) im Deutschlandfunk umwerfende Leersätze:

Bei der Reform des Stabilitätspaktes geht es um Generationengerechtigkeit

"Es darf nicht darum gehen den Stabilitäts- und Wachstumspakt aufzuweichen ... im Gegenteil ... es geht um was viel Wichtigeres, nämlich um Generationengerechtigkeit ... denn die nächsten Generationen haben ohnehin noch genug zu bezahlen, beispielsweise im Rahmen der Altersvorsorge ..."

Konsolidierung schafft Wachstum

"(Zwischen Wachstum und Stabilität) besteht kein Gegensatz. Es ist nicht so, dass wenn man auch in einer Konjunkturschwäche konsolidiert, dass dann das Wachstumg heruntergefahren würde. Ganz im Gegenteil: Stellen Sie sich doch bitte vor, wenn wir jetzt konsolidieren, d.h. die Leute auch Vertrauen darauf haben, dass sie nicht mit späteren Zinszahlungen belastet werden, dann regt das genauso den Konsum an ... das heißt also, es ist ein Irrtum zu glauben, dass man in einer Konjunkturschwäche nicht konsolidieren darf, das schafft Vertrauen. ... Eine zusätzliche Verschuldung in einer Konjunkturschwäche würde nur dazu führen, dass die Leute glauben, aha und zu recht annehmen, das müssen wir eines Tages bezahlen ... und dann würden sie ihren Konsum auch zurückfahren, das heißt es würde das Gegenteil herauskommen, was eigentlich beabsichtigt ist. ..."

Konjunkturprogramme sind kontraproduktiv

"Diese Konjunkturprogramme a la Keynes, die haben wir ja nun gehabt. Denken Sie an Ostdeutschland, denken Sie an unsere ganzen Exporterfolge, das waren ja letztlich auch Konjunkturprogramme und die haben in diesem Sinn ja nichts gebracht, dass sie uns aus der Konjunkturschwäche nachhaltiger herausgeführt haben ..."

Augen zu und durch

"Anders herum muss man argumentieren: Wir müssen unsere Rahmenbedingungen verbessern, das heißt, wir müssen Unternehmensteuern senken, wir müssen die Arbeitsmärkte flexibilisieren ... das heißt wir müssen an der Angebotsseite ansetzen ... und dann entstehen auch mehr Arbeitsplätze, nicht anders herum, einfach Geld oder Lohnerhöhung in die Wirtschaft hineinpumpen, das ist der falsche Weg."

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2005/03/08/dlf_0811.mp3

Das war ja klar, dass ein autistischer Dogmatiker, unbelehrbar ignorant, so "stringent" argumentieren muss. Aber die Kühnheit der Argumentationsketten setzt mich immer wieder in Erstaunen - und noch mehr, dass sie im öffentlichen Raum offenbar klaglos hingenommen werden, ungeachtet der kognitiven Dissonanzen, die sie eigentliche verurdachen müssten.

############# "Ich hör große Worte, aber ich weiß, da ist 'ne Bombe in der Torte". (Rio Reiser, Scherben-Song)


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