Die Qual nach der Wahl

Zwischen Wahl und Sinn

Arschlochalarm!

Der freche Tom Schimmeck hat in der TAZ ,Arschlochalarm" gegeben [1]. Der ganze Berliner Regierungsblock sei neoliberal gleichgeschaltet und bemühe synchron das Vokabular der Aushilfsökonomen.

Auch wenn der Autor dick aufträgt, so hinterlässt dieser Wahlkampf tatsächlich bitteren Nachgeschmack. Der Graben zwischen Politiker und Bürger ist mindestens so tief und weit wie der zwischen Leser und Blatt. Unter der Käseglocke Berlin scheint eine unheilige Allianz aus Meinungsforschern und Meinungsmachern vor allem mit sich selbst über eigene Interessen und Weltsichten zu debattieren. Haltungen, Bedürfnisse und Sorgen normaler Menschen finden dagegen kaum Niederschlag. Selten klafften öffentliche und veröffentlichte Meinung auseinander wie in den letzten sechs Monaten. Die Union war bei weitem nicht so großartig wie dargestellt, Rotgrün dagegen offenbar doch nicht die schlimmste Geißel Deutschlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Bürger etwas mehr als nur Nichtsnutz, Faulpelz und Bittsteller, ein Kostenposten.

Gerhard Schröder hat den Fehler gemacht, die medialen Fehlleistungen grobschlächtig zu kritisieren und damit einen Solidarisierungseffekt zu erzeugen. Im Chor wird sich nun über das unbotmäßige Verhalten Schröders aufgeregt. Jürgen Leinemann sagt dazu: ,Die journalistische Freiheit wird in der Bundesrepublik heute viel weniger durch obrigkeitsstaatliche Pressionen bedroht als durch die weiche Knechtschaft einer eitlen Selbstverliebtheit."
Zitat aus: V.i.S.d.P.-Extrablatt: Wahl Spezial - Die nacht der langen Gesichter ( http://www.visdp.de/special/ )

[1] http://www.taz.de/pt/2005/09/17.nf/magText.tname,a0015.re,do.idx,0


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